Geschichte

100 Jahre TuS Haltern – Die Geschichte von 1882 bis 1982

1. November 1882

Es begann im Jahre 1882 als sich am 22. Oktober 1882 eine kleine Gruppe honoriger Bürger der Stadt Haltern im Kolck’schen Saale versammelte. Der Zweck der Zusammenkunft dieser 15 ehrenwerten Herren war es, einen Turnverein ins Leben zu rufen. Ein unerhörtes Vorhaben im verschlafenen, kaum dreitausend Seelen zählenden westfälischen Landstädtchen Haltern.

Bei dieser Zusammenkunft stimmten sämtliche Anwesenden für die Gründung eines Turnvereins. Wie es sich zur damaligen Zeit gehörte und damit auch alles seine Ordnung hatte, ging man mit preußischer Gründlichkeit daran, einen Vorstand zu benennen, Statuten zu erarbeiten und Beiträge festzusetzen.

Carl Schregel war der Hauptinitiator des neuen Vereins. Und er wusste wie man den Widerstand der allem Neuen skeptisch gegenüberstehenden Halteraner überwinden konnte. Wie auch in anderen Städten sollte und diente dieser neue Turnverein dem Gemeinwohl der Bürger. D.h., parallel zum Aufbau des neuen Turnvereins wurde eine Feuerwehr aufgestellt, denn der Feuerschutz lag zu dieser Zeit noch sehr im Argen.

Schon zehn Tage später, am 1. November 1882 (Allerheiligen) wurde dann mit Billigung der Obrigkeit des Bürgermeisters wieder im Saale Kolck – diesmal kamen schon 30 Herren – die Gründung der Turnfeuerwehr beschlossen. Seither gilt der 1. November 1882 als der Gründungstag des TuS Haltern.

Die ersten Jahre nach der Gründung waren geprägt von der Turnerei. Turnen war in den Jahren des ausklingenden Jahrhunderts wohl die populärste Art der Körperertüchtigung; eine Bewegung, die ihren Ursprung in den liberalen Ideen des Turnvater Jahn aus der Zeit der Befreiungskriege hatte.

Oktober 1903

In diesem Jahr vollzog sich die organisatorische Trennung von Feuerwehr und Turnverein. Doch blieben sich die Feuerwehrleute und Turner kameradschaftlich verbunden.

Im Jahre 1907

… schloss sich eine Gruppe von Jugendlichen unter dem Namen „Spiel und Sport Haltern“ zusammen. Es wurde die erste Fußballmannschaft gegründet, die den jetzt mehr und mehr populär werden Fußball, der vornehmlich in den Straßen und Zechenkolonien von den Kindern gespielt wurde, auch in Haltern aktiv und vereinsmäßig zu betreiben. Dieses Experiment, das von zumeist Jugendlichen aus den sozial schwächeren Schichten betrieben wurde, war von vornherein zum Scheitern verurteilt.

April 1912

Fünf Jahre nach dieser Gründung kam der erste dauerhafte Fußballverein „Edelweiß“ zustande. Dieser neue Verein wählte die Vereinsfarben schwarz und weiß, die noch heute von den Sportlern des TuS Haltern und vor allem den Fußballmannschaften des TuS getragen werden. In dieser Zeit, der Erste Weltkrieg war nicht mehr weit entfernt, waren die Spieler froh, wenn sie ungestört auf der städtischen Wiese des Lippspieker oder Kiwitt in Ruhe spielen konnten. Einen „richtigen“ Sportplatz gab es nicht.

Nach dem Ersten Weltkrieg 



Viele der jungen Sportler aus dem Turnverein oder Edelweiß waren dem Krieg zum Opfer gefallen. Sie starben als Soldaten oder waren verschollen. Auch die bisherigen Strukturen und Gewohnheiten in Deutschland waren durch diesen Krieg zerbrochen. Nur langsam vollzog sich auch im Halterner Sportgeschehen ein Gesinnungswandel. Die Fußballer erkannten sehr schnell die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns. Durch die Vereinigung aller Sportler und der Vereine „Edelweiß“ und „Rasensport“ zum Gesamtverein „Verein für Rasensport“ konnte der Sport seinen Durchbruch erreichen. Dieser neu zusammengeschlossene Verein beschränkte seine Tätigkeit nicht nur auf den Fußball, sondern er widmete sich auch der Leichtathletik.

Im August 1920



… kam es auf den Wiesen des Lorenkamps zu einer großen leichtathletischen Veranstaltung mit über hundert Teilnehmern aus den umliegenden Gemeinden. Dieser Wettkampf fand auf den Wiesen statt, da es auch im Jahre 1920 noch immer keinen eigenen Sportplatz für den Halterner Sport gab. Die Bemühungen und Plänen scheiterten in den turbulenten Ereignissen der Nachkriegszeit.

17. September 1920

In den Jahren nach Kriegsende drängten nicht nur die Fußballer auf einen Zusammenschluss aller Sportarten. Auch die Turner waren schließlich bereit, einen gemeinsamen Sportverein zu gründen, in dem die Halterner Sportler verschiedenster Disziplinen zu ihrem Recht kommen sollten.

Am 17. September 1920 konstituierte sich dann im Geldmann’schen bei einer großen gemeinsamen Mitgliederversammlung des bisherigen Turnvereins, des Vereins für Rasensport und des Spielvereins 1918, die neue „Turn- und Rasenspielvereinigung Haltern“.

Schon am darauffolgenden Sonntag trug die Fußballmannschaft der neuformierten Vereinigung ihr erstes Auswahlspiel auf dem Kiwitt aus.

Allerdings konnten nicht alle Erwartungen des Zusammengehens erfüllt werden, und auch die pathetischen Worte zur Gemeinsamkeit konnten nicht verhindern, dass diese Vereinigung nur von kurzer Dauer war – wie auch viele andere spätere Versuche. Eine erste wirkliche Chance für die Zusammenarbeit im Halterner Sport war vertan.

Schon bald gingen die Turner wieder eigene Wege. Die Turn- und Rasenspielvereinigung gedieh unter der neuen Bezeichnung „Sportfreunde“ zum führenden Halterner Fußballverein. Und gute Leistungen führten dazu, dass Fußball die Sportart Nummer 1 in Haltern wurde.

1928

… kann als die Geburtsstunde des Halterner Handballs gesehen werden. Der Turnverein stellte seine erste Handballmannschaft auf. In Haltern errang der Handball eine rasche Popularität und rüttelte kräftig an der Vormachtstellung des Fußballs. Schon ein Jahr später folgte eine Mannschaft der neu gegründeten Deutschen Jugendkraft (DJK).

Zwei Jahre später, 1930,

… riefen auch die Sportfreunde eine eigene Handballabteilung ins Leben. Diese nunmehr drei neuen Mannschaften in dieser noch sehr jungen Sportart, die sich innerhalb von drei Jahren formiert hatten, zeigten den überwältigenden Siegeszug das Handballs in der Halterner Sportjugend.

Der Sommer 1932

… stand im Zeichen der Feier des 50-jährigen Vereinsjubiläums, das durch ein Jubelfest der Turnfeuerwehr im Sommer begangen wurde. In diesem Jahr erhielt auch Haltern, das sich als aufstrebender Kurort sah, die Namenserweiterung „am See“.

Im Jahre 1934



…, die neuen „Machthaber des Dritten Reiches“ hatten das Sagen in fast allen Bereichen übernommen, kam die katholische DJK einer Auflösung zuvor, in dem sie sich in den „Verein für Körperpflege“ – VfK umbenannte. Gleichzeitig wurden die Handballmannschaften beider Vereine verschmolzen, was sportlich ein deutlicher Gewinn war.

1937

… wurde die 1. Handballmannschaft des VfK Meister der Bezirksklasse. Dieser Erfolg war Anlass für die Verantwortlichen, eine Fusion mit dem Turnverein, der eine Mannschaft in der gleichen Klasse hatte, anzustreben. Die Abstimmung über ein Zusammengehen von TV und VfK wurde mit überwältigender Mehrheit beschlossen.

Der Name des neuen Vereins, der auch im Vereinsregister des Amtsgerichtes eingetragen wurde, lautete „Turn- und Sportverein Haltern von 1882“. Der erste Vorsitzende des neuen Vereins, der die Sportarten Turnen, Fußball, Handball, Leichtathletik und Schwimmen anbot, war Dr. Josef Quinkenstein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg,

… als Haltern in Schutt und Asche lag, begann man trotz der wirtschaftlich schlechten Lage mit dem Wiederaufbau des TuS Haltern von 1882. Trotz aller widrigen Umstände wurde schon drei Monate nach Kriegsende im Lokal Eltrop der Wiederaufbau geplant und in die Tat umgesetzt.

Schon im September formierte sich eine neue Fußballmannschaft und ein Spiel gegen Viktoria Recklinghausen wurde ausgetragen.

Im November des gleichen Jahres formierte sich auch wieder der Handball in Haltern.
In der Saison 1946 / 1947

… konnte die Handballmannschaft in ihrer ersten Saison gleich Gruppenmeister werden und den Aufstieg in die Bezirksliga erkämpfen.

Den Vorsitz in den Nachkriegsjahren hatte Josef Dieckmann übernommen, dem später Zahnarzt Dr. Karl Homann folgte. Der ehemalige Vorsitzende, Dr. Josef Quinkenstein, blieb dem Verein als Ehrenvorsitzender weiterhin eng verbunden.

In diesen Jahren bildete sich auch eine eigene Boxabteilung. Mit ihren Kämpfen konnte die Boxstaffel das zuerst zurückhaltende Publikum mit spektakulären Auftritten im Saal Schmitz/Nieborg oder auf dem Schulhof der Richthofschule begeistern. Leider war dem Boxen aus verschiedenen Gründen kein anhaltender Erfolg beschieden. Die Abteilung wurde nach zehnjährigem Bestehen schließlich aufgelöst.

Mit dem Wiederaufbau in Deutschland und der Rückkehr zum Optimismus in die Zukunft liefen die traditionellen Sportarten in Haltern wieder auf Hochtouren.

1946

… nahmen die Fußballer den Meisterschaftsbetrieb in der Kreisklasse wieder auf. Die Mannschaft zeigte aber sehr schnell, dass mehr als nur die Kreisklasse in ihr steckte.
In der Saison 1951 / 1952

… war der Aufstieg in die Landesliga geschafft. Diese Spielklasse konnte in den folgenden zwei Jahrzehnten mit wenigen Ausnahmen gehalten werden.

Anfang der 50er Jahre



… erhielt der TuS mit der Tischtennisabteilung einen neuen sportlichen Farbtupfer. Der „TTC Aliso“, der sich kurz nach Kriegsende gegründet hatte, schloss sich als Abteilung dem TuS Haltern an. Bis heute gehört die Tischtennisabteilung zu den treuesten Gruppierungen des Vereins.
Die Turner, die seit 1937 eine der Hauptstützen des Vereins waren, gingen 1952 ihren eigenen Weg und gründeten den ATV.

Ebenfalls in diesen Zeitraum fiel der für die damaligen Verhältnisse mustergültige Bau der ersten Halterner Sportanlage. Mit aufopferungsvollen Eigenleistungen der Mitglieder, aber auch mit wesentlicher Unterstützung der Stadtverwaltung, wurde die Stauseekampfbahn am Lippspieker gebaut. Hier fanden neben dem Schulsport die Fußballer, Handballer und Leichtathleten des TuS Haltern ihr Zuhause.

Anfang der 60er Jahre

… wurde dann das Kabinengebäude errichtet. Einige Zeit später konnte die Trainingsbeleuchtung des 2. Platzes durch den unvergessenen Bürgermeister Josef Paris übergeben werden, eine bis dahin unbekannte Errungenschaft in Haltern.

Aber auch die Hallensportarten des TuS Haltern kamen nach und nach dank der Unterstützung der Stadt Haltern zu besseren Unterbringungen. Zunächst wurden die städtischen Turnhallen am Lippspieker und in der Annaschule (heute Erich-Kästner-Schule) wieder benutzbar gemacht. Später folgte ein Sporthallenneubau des Gymnasiums (heute Hauptschule) an der Hovestadt.

1974

… brachte dann die Wende im Halterner Handballsport. Durch die neue Großraumhalle des Schulzentrums wurden die lange vermissten optimalen Trainings- und Spielbedingungen geschaffen. Das besondere Fluidum dieser auch architektonisch gelungenen Sporthalle lockte von Anfang an das Publikum in Scharen zu den Handballspielen. In dieser Zeit wurde die Halle in erster Linie von den Handballern des TuS Haltern und seinem Ortsrivalen TuS Sythen genutzt. Zum ersten Mal wurden die Heimspiele beider Vereine auch in der Heimat, in Haltern, ausgetragen.

Im Jahre 1977



… setzten sich die Verantwortlichen beider Handballabteilungen zusammen und beschlossen die Gründung der Handballspielgemeinschaft Haltern-Sythen, der heutigen HSC. Pate an der Wiege der sich neu gegründeten HSG stand der damalige Handballbundestrainer Vlado Stenzel.

Das „HSG“-Kind der beiden Muttervereine gedieh prächtig und ist auch noch heute als HSC erfolgreich. Die erste Herrenmannschaft spielt in der Verbandsliga.

1982



… feierte dann der TuS Haltern von 1882 zusammen mit der Feuerwehr und dem ATV sein 100-jähriges Bestehen mit einer großen Festwoche und einem Umzug durch die Halterner Innenstadt.

(Zusammenfassung des Berichtes über den TuS Haltern aus der Festschrift „100 Jahre Freiwillige Feuerwehr, Turm- und Sportverein, Alter Turnverein Haltern“

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